Frühlingskonzert

Programm
Edvard Grieg –„Aus Holbergs Zeit“ op. 40
Giacomo Puccini – Messa di Gloria
Ort
Zeughaus Neuss
Karten
Vorverkauf 20,90 €, ermäßigt 13,20 € inkl. VVG
bei Tourist Information Neuss
Abendkasse 25,00 €, ermäßigt 15,00
online:
Puccinis „Messa di Gloria“ ist eine der beliebtesten Vertonungen der lateinischen Messe und steht seit dem Puccini-Jahr 2024 auf vielen Konzertprogrammen. Nicht mehr zu Puccinis Lebzeiten veröffentlicht, erlangte das schwungvolle und erfrischend klingende Jugendwerk nach seiner Wiederentdeckung Anfang der 1950er-Jahre stetig wachsende Beliebtheit. Einige Melodien hat der Komponist sogar später in seinen berühmten Opern zitiert, vor allem in „Manon Lescaut“.
Giacomo Puccini schrieb seine „Messa a quattro voci con orchestra“ („Messe für vier Stimmen mit Orchester“) zwischen 1878 und 1880 als Abschlussarbeit seines Musikstudiums in seiner Heimatstadt Lucca. Die ersten Vorarbeiten stammen von einem Achtzehnjährigen; bei der Uraufführung des Werks am 12. Juli 1880 war der junge Komponist gerade einmal 21 Jahre alt. Zu seinen Lebzeiten nicht veröffentlicht wurde die Messe nach ihrer Wiederentdeckung gegen Anfang der 1950er-Jahre ungemein beliebt. Allerdings wurde sie in der ersten Druckausgabe und bei den Wiederaufführungen ungenau als „Messa di Gloria“ benannt, was eigentlich eine bloß aus Kyrie und Gloria bestehende (meist kürzere) Komposition bezeichnet – dabei handelt es sich bei Puccinis Messe um ein ausgewachsenes Werk, die vollständige Vertonung des lateinischen Ordinariums mit Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus/Benedictus und Agnus Dei. Puccini hatte 1878 seine Arbeit sogar mit dem Credo begonnen.
In der „Messa di Gloria“ steht der Chor (in unserer Aufführung der Kammercgor Capella Quirina Neuss) mit immer neuen melodischen Schönheiten ganz im Mittelpunkt; die Solopartien für Tenor und Bariton werden von Leonhard Reso und Richard Logiewa Stojanovic interpretiert.
Vor dem etwa 50-minütigen Werk von Puccini präsentiert das Neusser Kammerorchester ein Meisterstück der Streicherliteratur, die Suite “Aus Holbergs Zeit” von Edvard Grieg.
Jede europäische Nation hat ihre Symbolgestalt für den Spätbarock. Für die Franzosen ist es das Louis Quinze, die Epoche Ludwigs XV., für die Portugiesen die große Zeit König Joao V., für die Deutschen die Bachzeit und für die Engländer die Ära des Premierministers Horace Walpole. In Norwegen ist es der Dichter Ludvig Holberg, den die gesamte Nation mit jener Zeit identifiziert. Der große Sohn der Stadt Bergen wurde 1684 geboren, ein Jahr vor Bach und Händel, und drückte als Philosoph, Dichter und Humorist der Epoche seinen Stempel auf.
Als seine Heimatstadt 1884 seinen 200. Geburtstag feierlich beging, trug der damals berühmteste Bewohner Bergens, Edward Grieg, mit einer Kantate für Männerchor und einer Klaviersuite zum Gelingen des Jubiläums bei. Auf einer Reise nach Berlin instrumentierte Grieg die Klaviersuite “Aus Holbergs Zeit” für Streichorchester. Es wurde eines seiner bis heute populärsten Werke, das er gleichwohl nicht sehr mochte. Dennoch gilt die Suite neben den Streicherserenaden von Dvorak und Tschaikowsky als das dritte große Werk der Spätromantik für Streichorchester.
Was Grieg hier mit den Mitteln des romantischen Streicherklangs wiederbelebte, war die spätbarocke Orchestersuite mit ihren französischen Tanzformen. Er benutzte vier der beliebtesten Barocktänze, Sarabande, Gavotte, Musette und Rigaudon, denen er ein Praeludium voranstellte und eine Air beigab.
Das Präludium hat nichts anderes im Sinn, als festliche Stimmung zu verbreiten. Aufsteigende Skalen im punktierten Rhythmus erinnern an die französischen Ouvertüren des Barock. Darauf folgt als erster Tanzsatz die langsame Sarabande, die hier aller barocken Erdenschwere beraubt ist und träumerisch-süß daherkommt, besonders im Mittelteil mit seiner Bratschen-Melodie. Die Gavotte dagegen verwandelt den typischen Zwei-Viertel-Auftakt dieses Tanzes in geradezu unverschämt gute Laune, und auch die folgende Musette, ein Tanz, der dem Dudelsack seinen Namen verdankt, ist an rustikaler Eingängigkeit nicht zu übertreffen.
Als lyrischen Kontrapunkt ließ Grieg eine Air in g-Moll folgen, einen melancholischen Gesang, den er als “religiöses Andante”, sprich: als Gebet bezeichnete. Zweifellos dachte er dabei an die Air aus der 3. Orchestersuite von Bach, das auch heute noch berühmteste Beispiel einer barocken Air.
Den delikaten Schlusspunkt setzt ein Ridaudon, ein schneller Tanz mit charakteristischem Auftakt aus Viertel-Zwei-Halben. Unter Griegs Händen verwandelt sich dieser Rhythmus in ein duftiges Rondo zu Pizzicato-Begleitung mit sanftem g-Moll-Mittelteil
